Zur Geschichte der Cannstatter Stadtkirche

Foto: Kostas Koufogiorgos

Die Cannstatter Stadtkirche von 1471 von Aberlin Jörg

Die Cannstatter Stadtkirche ist die einzige der vier großen gotischen Kirchen in Stuttgart, welche die Zerstörungen des 2. Weltkrieges fast unbeschädigt überstand. Sie hat für Cannstatt besondere geschichtliche Bedeutung, weil ihr Standort schon seit der Zeit Karls des Großen eine Kirche trug. Die jetzige Stadtkirche wurde von Aberlin Jörg in spätgotischem Stil erbaut und 1471 eingeweiht. Dieses Datum ist über dem mittleren Chorfenster angebracht und darüber das Sternwappen des Erbauers. Aberlin Jörg hat unter seinem Vater Hänslin Jörg an der Stiftskirche in Stuttgart mitgebaut und ist nach deren Fertigstellung mit der Bauhütte als selbständiger Meister nach Cannstatt gezogen.

Die Namensgeber - Cosmas und Damian

Cosmas und Damian - Namenspatrone der Stadtkirche

 

Durch Geschichte und Gegenwart der Stadtkirche zieht sich wie ein Leitmotiv die Sehnsucht nach Heilung. So ist die Kirche Cosmas und Damian geweiht, einem heilkundigen Zwillingspaar aus frühchristlicher Zeit. Cosmas und Damian sollen zahlreiche Heilungswunder vollbracht haben. Sie selbst starben als Märtyrer und wurden ab dem Mittelalter zu den Zunftheiligen der Ärzte und Apotheker. In der Stadtkirche sind sie auf zwei gut erhaltenen spätgotischen Gewölbeschlusssteinen dargestellt.

Der Anlass, die Heiligen als Kirchenpatrone zu wählen, war sicherlich das heilkräftige Cannstatter Mineralwasser. Es wurde schon zur Römerzeit genutzt und fließt noch heute aus zahlreichen Brunnen rings um die Stadtkirche.
Heilung im umfassenden Sinne hatten nicht zuletzt die Erbauer der Kirche im Sinn. Durch die architektonische Gestaltung des Kirchenraumes soll die göttliche Heilung spürbar werden: Die Baumeister haben die Kirche von Westen nach Osten hin ausgerichtet. Die Seite der untergehenden Sonne steht hierbei für unsere Welt, die geprägt ist von Tod und Vergänglichkeit. Der Blick aber der Menschen, die in die Kirche kommen, wird nach Osten hin gelenkt, zur Seite der aufgehenden Sonne, der Auferstehung und des ewigen Lebens. Mit den kunstvoll gestalteten Chorfenstern haben die Erbauer die Kirchenwände durchsichtig gemacht für das Licht des Himmels, das in die Welt scheint und die Herzen der Menschen erleuchtet.

Der Vorgängerbau aus der Zeit Karls des Großen

Basilika in Steinbach

 

An der Stelle der heutigen Stadtkirche standen vermutlich zwei Vorgängerbauten. Aller Wahrscheinlichkeit nach geht ein Vorgängerbau des jetzigen Kirchengebäudes auf Einhard zurück, den Architekten und Chronisten Karls des Großen. Welche Argumente für diese Annahme sprechen, hat der Cannstatter Lokalhistoriker Eberhard Köngeter zusammengetragen: Ein Cannstatter Kirchenbau im Odenwald - Die Einhards-Basilika von Michelstadt-Steinbach

 

Der Stadtkirchenturm von 1612/13 von Heinrich Schickhardt

Foto: Markus Gräter

Die Stadtkirche prägt mit ihrem markanten Turm die Silhouette der Cannstatter Altstadt. Im Jahr 2013 wurde der Turm unserer Stadtkirche 400 Jahr alt. Es blebt eine wichtige Aufgabe, dieses Cannstatter Wahrzeichen auch für zukünftige Generationen zu bewahren. Zur Geschichte des Stadtkirchenturmes schreibt der Cannstatter Lokalhistoriker Hans Betsch:
Der Stadtkirchenturm von 1612/13 von Heinrich Schickhardt

 

 

 

Das Hauptportal von 1962 von Ulrich Henn

Hauptportal von Ulrich Henn

1962 gestaltete Ulrich Henn, ein Bildhauer von internationalem Rang, die Bronzetür der Stadtkirche mit Figuren, welche die Cannstatter Winzertradition mit dem biblischen Heilsgeschehen verbindet. Der Historiker Olaf Schulze hat das Hauptportal genauer beschrieben:
Das Hauptportal der Cannstatter Stadtkirche von Ulrich Henn

Die Glasfenster von 1963 von Wolf-Dieter Kohler

Kirchenfenster von Wolf-Dieter Kohler

Nicht nur der Kirchturm feierte im Jahr 2013 ein rundes Jubiläum, sondern auch die Fenster der Stadtkirche: sie wurden zum Pfingstfest 1963 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Einsetzung der neuen Fenster bildete den Abschluss der umfangreichen Innenrenovierung der Stadtkirche Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Geschaffen wurden sie vom Stuttgarter Künstler Wolf-Dieter Kohler. Insgesamt entwarf Wolf-Dieter Kohler etwa 200 Glasbilder, darunter auch in der Stuttgarter Stiftskirche oder im Ulmer Münster.
Weitere Informationen zum Künstler Wolf-Dieter Kohler und zur Entstehung der Glasfenster finden Sie hier:
Die Glasfenster von 1963 von Wolf-Dieter Kohler