50 Jahre Kirchenfenster von Wolf-Dieter Kohler

Detail aus dem mittleren Chorfenster

Nicht nur der Kirchturm feierte im Jahr 2013 ein rundes Jubiläum, sondern auch die Fenster der Stadtkirche: sie wurden zum Pfingstfest 1963 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Einsetzung der neuen Fenster bildete den Abschluss der umfangreichen Innenrenovierung der Stadtkirche Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Geschaffen wurden sie vom Stuttgarter Künstler Wolf-Dieter Kohler. Insgesamt entwarf Wolf-Dieter Kohler etwa 200 Glasbilder, darunter auch in der Stuttgarter Stiftskirche oder im Ulmer Münster.

 

Zur Person des Künstlers Wolf-Dieter Kohler
Wolf-Dieter Kohler ist 1928 in Stuttgart geboren. In der Landeshauptstadt wächst er auch auf. Sein Großvater ist lange Jahre Pfarrer in Degerloch, sein Vater Walter hat sich der Kunst zugewandt. Mit Erfolg. Walter Kohler gestaltet nicht nur die Fenster in der Kirche seines Vaters in Degerloch, sondern auch in Göppingen, in Obertal oder in Sindelfingen. Er schmückt zudem die Kirchen in Reutlingen oder von Hohenstaufen mit Wandbildern.
In Halle an der Saale erhält Walter Kohler schließlich den Auftrag, drei zweiundzwanzig Meter hohe Chorfenster zu entwerfen. Da dieser Auftrag so gut gelingt, wird er gefragt, ob er die neuen Fenster für den Naumburger Dom schaffen will. Doch dann – kommt der Krieg.
Walter Kohler muss auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft als Soldat nach Frankreich. Und der Krieg ist schon fast aus und verloren, da kommt er beim letzten schweren Luftangriff auf Stuttgart in der Nacht vom 28. Januar 1945 ums Leben. Sein 17-jähriger Sohn Wolf-Dieter ist zu dieser Zeit bereits als Luftwaffenhelfer eingesetzt und erlebt den Tod des Vaters aus nächster Nähe mit.
Ohne seinen Vater und dessen durch den Tod allzu früh abgebrochenes Werk ist die Entwicklung des Sohnes Wolf-Dieter Kohler nicht darzustellen.

Im mittleren Kirchenfenster der Stadtkirche führt Wolf-Dieter Kohler dem Betrachter mit dieser Welt-Anschauung die Gefühle und Erlebnisse seiner Generation vor Augen. Doch zugleich finden sich hier menschliche Grunderfahrungen wieder, die zum Ausdruck bringen, wie wir auch heute unsere Welt erleben. Das ist das ansprechende an Kohlers Werk in unserer Kirche, dass es uns mit hinein nimmt in die biblische Welt und uns so Anteil schenkt am biblischen Heilsgeschehen.

Wolf-Dieter Kohler hat die schweren Erlebnisse seiner Jugend überwunden. Noch 1945 macht er am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium das Abitur.

Dann tritt er in die Fußstapfen seines Vaters. Er studiert an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Einer seiner Lehrer ist Rudolf Yelin, ein Studienkollege seines Vaters, und Sohn von Rudolf Yelin dem Älteren, der die Wandbilder im Chorraum unserer Stadtkirche gemalt hat. Ab 1951 ist Wolf-Dieter Kohler freiberuflich als Maler und Glasmaler tätig.

Mit den Geschichten und Gleichnissen der Bibel ist er vertraut. Er hat ein Gespür für diese Geschichten, die er auf seinen Bildern und Fenstern ganz neu miteinander ins Gespräch bringt.

Insgesamt entwirft Wolf-Dieter Kohler etwa 200 Glasbilder in kirchlichen Gebäuden, darunter auch in der Stuttgarter Stiftskirche oder im Ulmer Münster. Zum Teil erneuert er auch Fenster, die sein Vater geschaffen hatte, und die im Krieg beschädigt worden waren.

An der Stadtkirche in Bad Cannstatt gestaltet er im Zuge der Kirchenrenovierung zu Beginn der sechziger Jahre die Fenster neu. 1963 schließt er die Arbeiten ab, die Fenster werden eingesetzt und am Pfingstfest 1963 der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Die Entstehung eines Glasfensters

Zunächst hatte Wolf-Dieter Kohler einen Entwurf im Maßstab 1:10 vorgelegt, der die Verantwortlichen überzeugt hat, ihm den Auftrag zu erteilen. Daraufhin erarbeitete er mit Kohlestift einen Entwurf im Maßstab 1:1. Mithilfe dieses Entwurfs machte er dann Schablonen. Diese legte er auf verschiedenfarbige, mundgeblasene Glastafeln und schnitt dann die entsprechenden Formen aus. Mit Wachstropfen fixierte er diese Puzzleteile auf einer Hellglasscheibe, um sie bei durchscheinendem Licht zu bemalen. Mit dem sog. „Schwarzlot“ zeichnete er Köpfe, Hände, Gewandfalten und mehr auf das farbige Glas. Nach der Bemalung wurde die Schwarzlotfarbe dann bei 600 Grad ins Glas eingebrannt.
Als die vielen Einzelteile vollendet waren, konnten die einzelnen Scheiben mit Blei verbunden und verlötet werden. Schließlich wurden sie nach außen hin durch flüssigen Kitt luft- und wasserdicht gemacht.
Am Ende dieses langen Arbeitsprozess baute Wolf-Dieter Kohler die Fenster dann in Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Kunstglaserei Saile in der Stadtkirche ein.